Berufsunfähigkeit: Deutsche wiegen sich in falscher Sicherheit

Die Erwerbsminderungsrente wird einer aktuellen Forsa-Umfrage von den befragten Bundesbürgern viel zu hoch geschätzt. Rund 1/3 der Befragten glaubt, 40% des letzten Bruttoeinkommens als Erwerbsminderungsrente zu bekommen. Erwerbsminderungsrente ist weit aus niedriger als geschätzt. Hingegen erhält, wer nach dem 01.01.1961  geboren ist und noch weniger als drei Stunden arbeiten kann eine Erwerbsminderungsrente von gerade mal 29 Prozent des letzten Bruttogehalts. Geht man von einem durchschnittlichen Bruttogehalt eines Angestellten von rund 3100 € im Monat aus, sind das etwa 900 €. Hier die tatsächlichen Erwerbsminderungsrenten: Ein Großteil der  Bezieher erhält nur die halbe Erwerbsminderungsrente. Diese beträgt im Schnitt nur 20% des letzten Bruttogehaltes. Die gesetzlichen Leistungen gelten für alle, die nach dem 1.1.1961 geboren sind. Die Erwerbsminderungsrente  richtet sich nun danach, wie viele Stunden sie pro Tag trotz gesundheitlicher Einschränkung noch arbeiten können.

Hinzu kommt: Man kann ihnen jede denkbare Tätigkeit auf dem Arbeitsmarkt zuweisen, Status, Ausbildung oder subjektive Zumutbarkeit sind ohne Bedeutung. Bei der Erwerbsminderungsrente kann es eng werden: Sie sind Ingenieur? Autoschlosser? Krankenschwester? Dann hat die Regelung zur Erwerbsminderung im Ernstfall Spannendes mit ihnen vor: Wenn ihre "verbliebene Restarbeitsfähigkeit" noch dazu reicht, als Pförtner, Regalauffüller  in einem Supermarkt  oder als Telefonistin zu arbeiten, müssen sie diese Tätigkeit annehmen – denn sie bekommen keine gesetzliche Rente. Berufsanfänger haben die ersten 5 Jahre kein Anspruch auf Erwerbsminderungsrente: Nur private Absicherung durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung kann sie über diese Existenznot schützen. Das gilt insbesondere für Berufsanfänger, die noch keine fünf Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben und damit die Wartezeit für eine Wertminderungsrente in der Regel nicht erfüllen. Dies könnte Sie noch interessieren: Unterschied Krankengeld und Berufsunfähigkeit Kein Krankengeld bei wahrscheinlicher Berufsunfähigkeit

Krankentagegeld – Die Gefahren der ordentlichen Kündigung.

In den Musterbedingungen (MBKT) für das Krankentagegeld ist in § 14 vom ordentlichen Kündigungsrecht des Versicherers versteckt: § 14 MBKT:

"Der Versicherer kann das Versicherungsverhältnis zum Ende eines der ersten drei Versicherungsjahre  mit  einer Frist von drei Monaten kündigen, sofern kein gesetzlicher Beitragszuschuss des Arbeitgebers besteht."

 

Fazit: Der Versicherer kann innerhalb der ersten 3 Jahre ohne Angabe von Gründen kündigen. Wann wird der Versicherer das Krankentagegeld kündigen? Hauptsächlich nach der Abwicklung von Schadenfällen, also nach einer längeren Krankheit. Wenn abzusehen ist das es in Zukunft noch mit längeren Arbeitsunfähigkeiten zu rechen ist. Dies ist zum Beispiel bei einem unverschuldeten Unfall möglich, der noch mehrere Krankenhausaufenhalte nach sich zieht. Ein Beispiel: Sie sind bereits 24 Monate bei einer Gesellschaft mit dem Krankentagegeld versichert und erkranken. Diese Erkrankung zieht sich über 9 Wochen hin.  Sie bekommen wie vereinbart 9 Wochen lang Ihr Krankentagegeld. Leider lässt Ihre Diagnose vermuten, diese diese Erkrankung wahrscheinlich wieder auftritt. Die Gesellschaft kann jetzt den Vertrag ohne Angabe von Gründen kündigen. Gegenüber jeder anderen Gesellschaft, bei dem sie das Krankentagegeld neu absichern wollen, müssen Sie Ihre Erkrankung und die Tatsache, dass Ihr alter Vertrag vom Versicherer gekündigt wurde, angeben. Nach der Kündigung bekommen Sie kein neues Krankentagegeld! Danach kann es sehr schwierig werden, einen anderen Privaten Krankenversicherer zu finden, der ein Krankentagegeld versichert. Denn denen müssen Sie Ihre Krankheitsgeschichte offenlegen und häufig müssen Sie sich auch die Frage gefallen lassen, ob ein anderer Versicherer bereits ein Krankentagegeld gekündigt hat. Deshalb: Achten Sie auf den Verzicht des Versicherers auf das ordentliche Kündigungsrecht. Dies ist in der Regel im  § 14 der MBKT (Musterbedingungen Krankentagegeld), oder in den Tarifbedingungen geregelt.  Es gibt einige wenige Gesellschaften die auf dieses Kündigungsrecht verzichten. (Hinweis: In §14 der MBKT (Musterbedingungen für das Krankentagegeld) können Sie nachlesen, ob Ihr Versicherer auf das ordentliche Kündigungsrecht verzichtet oder nicht) Wer auf dieses ordentliche Kündigungsrecht verzichtet können Sie hier nachlesen. Beiträge, die Sie vielleicht ebenfalls interessieren:

Privat krankenversichert und gesetzliches Krankengeld gleichzeitig. Ist das möglich?

Ja, das ist seit dem 1.9.2009 möglich. Zu diesem Zeitpunkt hat der Gesetzgeber die Regelung des gesetzlichen Krankengeldes für Selbständige wieder zurückgenommen.

Wir erinnern uns: Zum 1.1 2009 gab der Gesetzgeber den gesetzlichen Krankenkassen ( GKV) die Möglichkeit ab diesem Zeitpunkt Krankentagegeld als Wahltarife anzubieten. Sie boten zahlreiche Krankentagegelder an mit verschiedensten Leistungen.

Dieses Krankengeld der GKV hat viele Nachteile:Viele dieser Krankengelder sahen unter anderem ein Höchstaufnahmealter von 50 Jahren vor. Das bedeutete für viele ältere Selbständige, das sie plötzlich kein Krankengeldanspruch mehr hatten. Nach zahlreichen Protesten sah sich der Gesetzgeber gezwungen diese Entscheidung wieder zurückzunehmen.

Zum 01.09.2009 Wiedereinführung des alten Krankengeld der GKV: Der Versicherte musste dann einen Zusatz Beitrag von 0,6% zu seiner gesetzlichen Krankenversicherung zahlen.

Nachteil: 3 Jahre Bindefrist an seine Krankenkasse. Der gesetzlich Krankenversicherte bindet sich mit diesem Krankengeld 3 Jahre an seine gesetzliche Krankenkasse. Jetzt kommt das besondere.

Dies gilt allerdings nur für das Krankengeld. Nicht für die restliche Krankenversicherung bei gesetzlichen Krankenkassen.

Dies bedeutet im Klartext, der freiwillig Versicherte Selbständige der gesetzlichen Krankenkasse kann seine gesetzliche Krankenkasse verlassen zum Beispiel in die private Krankenversicherung wechseln muß dann allerdings die nächsten drei Jahre weiter den Beitrag von 0,6% für das Krankengeld der gesetzlichen Krankenkasse zahlen. Somit ist eine gleichzeitige Versicherung bei einer privaten Krankenversicherung und in der gesetzlichen Krankenkassen möglich.

Diese Regelung gilt nicht für die Wahltarife der gesetzlichen Krankenkassen.

Hat der Versicherter ein Krankengeld als Wahltarif mit seiner gesetzlichen Krankenkasse abgeschlossen, dann ist er mit seiner gesamten Krankenversicherung 3 Jahre gebunden. Er kann seine Krankenkasse 3 Jahre nicht verlassen. Auch nicht in Richtung private Krankenversicherung.

Ich zitiere aus der Ergebnisniederschrift Fachkonferenz Beiträge vom 26. August 2009 des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung Punkt sechs.

Bindung an die Wahlerklärung beim Krankengeld:

„Das Mitglied ist an die Wahl des gesetzlichen Krankengeldes drei Jahre gebunden (§ 44 Abs. 2 S. 2 SGB V in Verbindung mit § 53 Abs. 8 S. 1 SGB V). Eine gleichzeitige dreijährige Bindung an die Mitgliedschaft der Krankenkasse entsteht damit nicht. Damit kann es vor Ablauf der dreijährigen Kindes Frist des § 44 Abs. 2 S. 2 SGB V sowohl zu ein Austritt aus der gesetzlichen Krankenversicherung (beim vorliegen entsprechender Voraussetzung) als auch zu einem Wechsel der Krankenkasse kommen, natürlich auch zum Wechsel zu einer privaten Krankenversicherung (Anmerkung der Redaktion). In diesem Fall bleibt nach dem vorgenannten gemeinsam Rundschreiben des GKV Spitzenverbandes und der Verbände der kranken Pflegekassen auf Bundesebene vom 25. August 2009 die Bindung an das gewählte gesetzliche Krankengeld über den Kassenwechsel hinaus erhalten.“

Fazit: Ein privat Krankenversicherter Selbständiger kann also gleichzeitig ein Krankengeld bei der gesetzlichen Krankenkasse haben und privat versichert sein.

Hier finden Sie die Quelle.

 

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